Über Zeit und Ewigkeit / Ein Aufsatz von Agnus D. / anno domini 2001
Z E I T U N D E W I G K E I T
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Der Wortbegriff »ewig« ist einer derjenigen, der vom heutigen Sprachumgang leider vollständig verzerrt worden ist. So bedeutet der Ausdruck mancherlei, angefangen von etwas Bedeutsamem sowie Wertvollem, bis hin zur völligen Banalität bzw. Belanglosigkeit. Damit kann niemand einverstanden sein, denn ein jedes Wort steht zunächst für einen ganz bestimmten Sinn. Auch wenn der jeweilige Wortsinn weit gefasst sein kann, so darf er jedoch für eine präzise Verständigung nie zu einem Zerrbild verkommen. Alle Wörter besitzen eine Kernbedeutung, die in ihrer Summe die Sprache ergeben. Die Sprache selbst existiert als eine Art geistiger Raum, in welchem ein jeder sich selbst und seine Umwelt wahrnehmen und reflektieren kann. Immerhin ist es ja die Sprache, welche den Menschen in seiner langen Entwicklungsgeschichte zum Menschen werden ließ. Was es heißt keine Wörter und keine Sprache zu haben, das ermessen wir erst so richtig, wenn sie uns durch einen gesundheitlichen Defekt abhanden kommt. Denn je größer der aktive Wortschatz ist, den jemand zur Verfügung hat, desto lebendiger gestaltet sich dessen zwischenmenschlicher Umgang, mit deutlich mehr Lebensqualität.
Wenn also eine Wortbedeutung zum Zerrbild verkommt, dann hat dies naturgemäß direkte negative Auswirkungen auf das allgemeine Verständigungs- sowie Welterfassungsvermögen. Denn je weniger Leute sich präzise artikulieren können, desto weniger können andere davon profitieren, sodass unsere Gesellschaft insgesamt an geistiger Klarheit und Wahrheit verliert. Mit jedem degeneriertem Wort degenerieren auch dessen Sinn und geistiges Licht, und die an sprachlicher Präzision gebundenen Erkenntnisfähigkeiten erleiden Schaden.
Ein nicht zu unterschätzender Dienst an der Allgemeinheit ist es daher, diejenigen Wörter, welche durch sprachliche Schluderei im Alltag zerstört wurden, wieder in ihrer Ursprünglichkeit aufzurichten. Zu diesem Zweck haben wir uns hier zu fragen, was Ewigkeit ihrem Kern nach bedeutet.
Zunächst wenden wir uns aber hierfür noch dem allgemeinen Sprachgebrauch zu, wo der Begriff Ewigkeit für eine unaufhörliche Dauer verwendet wird. In diesem Sinne kennen wir z.B. die »ewigen Sterne« und das »ewige Leid der Menschen«, oder aber die »ewige Wiederkehr der Dinge«. Dann gibt es da natürlich noch die Spiritualität mit ihren ethnisch diversen Ausformungen, wie z.B. den ewigen Jagdgründen bei den Indianern, oder etwa dem Paradies der monotheistischen Religionen. Angefangen hatte in der Kulturgeschichte alles damit, dass der frühe Hominide an ein Weiterleben nach dem Tode zu glauben begann, das dann natürlich nicht mehr vom Tode bedroht sein kann, und ewig währen müsste. Allen diesen Vorstellungen war und ist gemein, dass man sich Ewigkeit als eine nie endende Fortsetzung der zeitlich begrenzten Existenz dachte und denkt. Man versuchte also die naturgemäß begrenzte Zeit in die Unendlichkeit zu verlängern und damit unbegrenzte Ewigkeit herzustellen, was allerdings ein herber Widerspruch sein muss. Denn Zeit ist grundsätzlich begrenzt. Auch dann, wenn man ihren Lauf in die Unendlichkeit verlängert, indem naturgesetzlich alles was beginnt auch wieder zu enden hat.
Diese unscharfe Ewigkeitsvorstellung einer immer weitergehenden Zeit stellt also einen Un-Begriff dar, der aber in unserem Alltag vielfache Verwendung findet. Rein mechanistisch weiß wohl ein jeder, dass alle Zeit begrenzt ist. Wir grenzen sie auch mit unseren Maßeinheiten der Minuten, Stunden, Tage und Jahre ein. Doch rein gefühlsmäßig will keiner etwas von seinem zeitlichen Ende und Tod wissen. Das Universum in seinem heutigen Alter von ungefähr 15 kaum vorstellbaren Milliarden Jahren - sowie einer entsprechenden Raumausdehnung - suggeriert eine annähernd endlose Existenzdauer. Nach unserem Gefühl ging und geht es immer weiter, rückwärts wie vorwärts. Anfang und Ende der eigenen Existenz und der Welt überhaupt, das sind Dinge, die bei sehr vielen Leuten die Vorstellungskraft übersteigen. Entmutigt wenden sie sich bei solchen Fragen lieber wieder Überschaubarerem zu.
Indem alle Zeit mit Anfang und Ende begrenzt ist, muss die Ewigkeit als Gegensatz dazu ohne Anfang und Ende unbegrenzt sein. Effektiv hebt somit die Ewigkeit die Zeit auf. Das klingt sehr simpel, aber kann man sich das auch tatsächlich irgendwie begreifbar machen? Ein Dasein bzw. Leben ohne zeitliche Limitierung? Könnte man sich eine Wirklichkeit vorstellen, welche weder entsteht noch vergeht; die sich nicht ändert, welche ohne irgendeinen Wandel einfach hin ist; dabei nicht etwa starr und leblos, sondern im Gegenteil sehr lebendig und fruchtbar? Wie können wir uns Zeitunterworfene zumindest eine kleine Ahnung von einer polar anderen Ewigkeitswirklichkeit verschaffen? Ist es möglich wenigstens nur einmal kurz zu empfinden, was das Wesen der Ewigkeit ausmachen müsste?
Wagen wir nun einen Versuch!
Wir kennen alle die mechanische Zeit. In ihr gibt es den Ablauf aller Dinge, als ein beständiges Kommen und Gehen von allem. Die Zeit kennt kein Gut und Böse. Da gibt es keine Rücksicht auf das, was in ihr sich ereignet. Sie ist wie ein Flussbett für den Strom allen Geschehens. Ein reales Symbol dafür stellt der Uhrzeiger dar, welchen es absolut unbeeindruckt lässt, was er da gerade für einen Zeitpunkt anzeigt. Die Uhr ist unser Freund und Feind zugleich. Je nachdem was uns Positives oder Negatives zum angezeigten Zeitpunkt widerfährt. Indem wir nun mit der Uhr altern, und dadurch unserem zeitlichen Ende jeden Moment wieder ein Stückchen näher gekommen sind, wird die Zeit - vorausgesetzt wir leiden nicht - zunehmend zu unserem Widersacher. Sie ist kalt, leblos und doch zugleich ebenso mächtig und lebendig. Das erfahren wir z.B. immer bei der Relativität der Zeit. So ist das momentane Zeitempfinden immer abhängig von dem gerade Erlebten.
Während ein untätiges Warten sich »endlos« hinziehen kann, ist da eine spannende Aktivität gleicher Zeitlänge im Nu verflogen. Und während nun untätiges Warten rasch in Vergessenheit gerät, bleibt das freudig Erlebte in lebendiger Erinnerung. Wenn es aber um das eigene Leben und Schicksal geht, bekommt Zeit wieder eine andere Bedeutung. Hierbei ist sie höchst lebendig geworden, indem wir im Höchstmaß gefordert werden. Dann reicht sie oftmals nicht aus, und wir geraten in Zeitdruck. Das Zeitmaß wird also nicht eigentlich von der Uhr bestimmt, sondern von der Bewegtheit des Objektes, wie es einstmals Albert Einstein in seiner berühmten Relativitätstheorie feststellte. Für eine Schnecke ergibt sich demzufolge eine andere Zeit als für ein Wiesel. Zeit wird dadurch zu einer individuellen und subjektiven Sache, auch wenn die Uhr immer eine standortgemäß gleich bleibend objektive Zeit anzeigt. Wird z.B. eine von zwei Zwillingsuhren mit identischer Zeitanzeige auf eine Reise in den Weltraum mitgenommen sowie die andere stationär zurückgelassen, so zeigen jetzt beide nach der Rückkehr der gereisten eine unterschiedliche Zeit an, abhängig von der Reisedauer und Reisegeschwindigkeit.
So relativ wie die Zeit tatsächlich ist, so relativ sind auch unsere Möglichkeiten, im Rahmen der uns zur Verfügung stehenden Zeitspanne aus uns und unserem Leben etwas zu machen.
In einem Märchen fordert ein Zauberer den Kalifen auf, sein Gesicht in eine tiefe Schüssel mit Wasser zu tauchen. Er kommt der Aufforderung nach, und erlebt viele Leben nacheinander, und zwar in jedem dieser Leben mit einer neuen anderen Identität. Einmal ist er ein Mann, dann wieder eine Frau, einmal ein Wasserträger und dann wieder ein anderes mal ein Weiser und noch einiges anderes mehr. Plötzlich aber lässt ihn ein Begebnis aufschrecken, und er bemerkt zu seinem ungläubigen Erstaunen, dass er gerade im Begriff ist, sein Gesicht wieder zurück aus dem Wasser zu ziehen. In diesem kurzen Schüsselmoment zwischen Ein- und Ausatmung hatte er eine riesige Fülle an Erlebbarem durchgemacht, und so einen Eindruck von der Relativität bzw. Verhältnismäßigkeit der Zeit gewonnen. Gewiss nur ein Märchen, aber eines mit Tiefgang.
Das führt uns dazu uns einmal vorzustellen, dass es auf Grund jenes Verhältnisses zwischen Zeitinhalt und Zeitmaß, Zeitlauf und Zeitgewicht möglich wäre, die Laufgeschwindigkeit so zu steigern, dass ihre Ausdehnung sich auf einen Blitz hin zusammenzöge; und parallel dazu die Bedeutung so anwachsen zu lassen, dass sie den Lebensraum immer mehr ausfüllte - dann würde die Linie zwar kein Ende erreichen, aber das Eigentliche anzeigen: die Ewigkeit. Sie wäre ein Daseinszustand, in dem kein Vergehen sondern nur noch Gegenwart existierte. Alles wäre nicht mehr wie vorher auseinander zu einem Gegeneinander, sondern jetzt durch ein unsichtbares Band zusammengeführt zu einer übergreifenden Einheit allen Seins. Ein solch urgewaltiger Akt zu einem solchen Dasein, schlösse jeglichen Leerlauf und jegliche Langeweile aus. Das Dasein wäre tod- und stoffwechselenthoben, sowie von sich selbst zur Seligkeit erfüllt unüberbietbar perfekt geworden.
Eine andere Erlebensweise. Unser Leben besitzt den Drang zur Eile, ob als Flucht von einer Gefahr weg, oder aber als Streben zu etwas Wünschenswertem hin. Jedoch beinhaltet es auch den Gegendrang zu einer Entspanntheit und Ruhe. Dabei gibt es seltene Momente, wo es in uns immer stiller wird. Bestrebungen und Ängste verschwinden auf einmal. Man versteht kaum noch, wie man bloß hinter den Dingen herjagen konnte, und dabei Stress und Ängsten ausgesetzt war. Und man empfindet: Nur noch ein Quäntchen, und dieser sozusagen ruhelose Strom kommt da zum absoluten Stillstand, indem er sich selbst genug ist. Doch nicht durch Dieses oder Jenes, das immer nur enttäuscht, sondern einfach durch das universale Dasein, welches immer und überall ist. Es sind solche Momente in uns und um uns herum, welche versuchen die Zeit vergessen zu lassen und in die reine Gegenwart zu gelangen. Doch ohne einen übernatürlichen Bezug kann das nicht gelingen. Solche Augenblicke sind leider nur eine Emotion und damit unecht. Auch werden sie natur- bzw. zeitgemäß schon nach Kurzem immer abgerissen, sei es durch etwas, was von außen her eindringt, oder durch ein inneres Aufschrecken. Dennoch weisen sie in eine Richtung, in der das Ewige liegt.
Noch eine dritte Erfahrung. Man will aus einem bestimmten Zweck irgendetwas machen, und tut es alsdann sehr sachgerecht, und der Vorgang wird vergessen. Doch bleibt das Gefühl, dass der angestrebte Zweck erreicht wurde, und dass die Dinge weitergehen können, weil es keine Schwierigkeiten gab usw. Anders ist es, wenn eine wichtige Pflichtsache zu erledigen ist. Man weiß, dass sie um ihrer selbst willen zu leisten ist, wodurch die Person gefordert wird, was wiederum das Handlungsbewusstsein beeinflusst. Denn jene Handlung, die nur zweckbezogen war, die war mit ihrer Erledigung abgehakt. Je zweckmäßiger sie gewesen war, desto gründlicher war sie nach Erledigung Vergangenheit. Doch in einer Pflichtsache schwingt das Bewusstsein mit, in ihrer Abfertigung etwas für das System und ein Ideal getan zu haben. Das nur Nützliche verschwindet mit Erreichung des Zweckes, aber das Gute hat eine bleibende Auswirkung auf die ausübende Person. In dem Maße der Mensch sich selbstlos dem Guten als seinem Ideal widmet, erhält er auch Anteil an dessen Charakter. Je entschiedener und kraftvoller er nach dem Guten strebt, desto stärker wächst er dann in dessen Unbedingtheit hinein.
So könnte man sich denken, wenn es da einem Menschen gelänge etwas vollkommen Gutes zu wollen, und es zu wollen mit einer bis auf den Grund seines Herzens gehenden Lauterkeit, sowie in dieses Wollen und Tun seine ganze Kraft hineinzugeben, die er hat - dann würde etwas sehr Geheimnisvolles geschehen: er würde - um hier das so billig gewordene Wort zu gebrauchen - verewigt werden.
Bei der jetzt auftauchen könnenden Frage, was denn überhaupt und konkret »das vollkommen Gute« sei, ist auf die einst von Jesus gegebene Definition des Guten zu verweisen.
Mk 10,18 Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut, als Gott allein!
Lk 18,19 Da sprach Jesus zu ihm: Was nennst du mich gut? Außer Gott ist niemand gut.
Aus den vorgenannten Perspektiven lässt sich nun der Begriff Ewigkeit als »die reine Gegenwärtigkeit vollkommenen Daseins« bestimmen. Ewigkeit steht dann über dem zeitlichen Werden und Vergehen als Vollendung und Erfülltheit von allem zeitlich Gewordenen und Vergangenem. Das Dasein hätte hier in einem urgewaltigen alles erfassenden und umfassenden Gerichts- und Schöpfungsakt sein ewiges Wesen verwirklicht. Es wäre jetzt alles beherrschender Herr und Gott seiner selbst geworden.
Offb 19,6 Und ich hörte wie die Stimme einer riesigen Menge und wie das Rauschen vieler Wasser, und wie die Stimme starker Donner, die sprachen: Halleluja! Denn der Herr, unser Gott, der Allmächtige, ist König geworden!
Seine universale Gestalt und seine kosmischen Kräfte hätten absolute Gültigkeit erlangt. Alles an ihm wäre nun durch Wert gerechtfertigt. Ein solches Dasein wäre nicht nur einfach da, sondern es hätte das Recht, in Ewigkeit da zu sein. Eine derartige Ewigkeit kann der Einzelne aus seiner Zeitverfallenheit heraus niemals erreichen. Denn ohne die vom HERRN zu gewährende Unterstützung kann er niemals in die zeitenthobene lebendige Gegenwärtigkeit gelangen, in welcher das Gute sich um seiner selbst willen verwirklicht.
Gäbe es also ein Wesen, dessen Sinngehalt das absolut Gute selber ausmachte, und dieses Gute zugleich noch alle Macht und Herrlichkeit besäße, dann gäbe es in dessen Dasein kein Werden und Streben mehr. Das Leben dieses Wesens wäre total sinnerfüllt, und der Sinn seines Daseins Wirklichkeit. Der Moment zeitlichen Vorübergangs wäre verschwunden und damit die Gegenwart von absolutem Gewicht. Dieses Wesen gibt es, es heißt: Gott der HERR. Die Art und Weise wie er lebt, das ist die Ewigkeit. Denn Zeit ist nicht etwas um uns herum; keine Rinne, durch die wir rutschen. Wir selbst, unsere durch Unvollkommenheit geprägte Endlichkeit ist die Zeit - die Ewigkeit aber ist die Weise, wie der vollkommene HERR in sich selbst, bei sich selbst und durch sich selbst zeitenthoben existiert.
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I. Internet-Links
Gottes Weltformel Stephen Hawking Thomasevangelium
Der Gottesbeweis Weltformel-Pro- Judasevangelium
Gott der Herr Der Urimpuls Jesusinterviews
Gottes Elite Kosmologen Nag Hammadi
Apostel Paulus Der Urknall Agnus Dei
Die Bergpredigt Max Planck Biblium
Hiobs Rebellion Der Geist Die Seele
Täufer Johannes Die Welt Der Satan
Zeit und Ewigkeit Das Wort Die Religion
Auferstehung Jesu Die Liebe Reinkarnation
Ontologie im Zenit Die Energie 8 in 1 - Essays
Mystik und Gnosis Das Wunder Das Aramäisch
Evangelienabgleich Himmelfahrt Leben und Tod
Maria von Nazareth Die Allmacht Die Apokalypse
Thesen der Wahrheit Die Evolution Gebet des Herrn
Universum in Person Über die Kritik Weltgrundlegung
Dogma Jesus Christus Weltuntergang Der ganze Mensch
Anfang und Ende
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